nach dem spiel ist vor dem spiel

Montag, 3. Juli 2006
und nachdem die Argentinier nach dem Erfolg über Mexico noch so feierten, so sah dass nach der Begegnung gegen Deutschland schon ein bischen anders aus:
Attacke gegen deutsche Studenten in Buenos Aires

Beleidigungen, Wurgeschosse aus Plastik und Glas: In Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires begann für die deutschen Studenten im Goethe-Institut nach dem Sieg der DFB-Auswahl gegen die "Albiceleste" ein wahrer Albtraum. Zuvor hatten rund 150 deutsche und argentinische Kommilitonen gemeinsam und friedlich das Spiel auf einer Großbildleinwand geschaut.

Als die Studenten nach dem Spiel aus dem Institut auf die Straße strömten, wurden sie von einer aufgebrachten Menge Argentinier erwartet. "Sie schrien, das Spiel sei von Deutschland gekauft worden. Wir wurden übel beleidigt, dann flogen die Flaschen. Eine Freundin von mir wurde am Oberkörper getroffen", sagte eine 24 Jahre alte Deutsche. Ernsthaft verletzt wurde aber offenbar niemand.

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jetztgehtslohos!

Freitag, 30. Juni 2006

50 Minuten vor Anpfiff!

wer nicht springt ist engländer

Montag, 26. Juni 2006
"...y que no salta, es un inglés!". da stehen wir. eine handvoll deutsche, ordentlich angetrunken, inmitten der blau-weißen euphorie. gerade hat argentinien ein glückliches zwei zu eins über die Verlängerungs-Runden gerettet und wir beschlossen zum Zentrum des argentinischen Jubels zu fahren. "Der Obelisk", mitten in der Stadt, ist DER Anlaufpunkt zum Fussballfeiern. Hier werden neben den Internationalen auch die nationalen Erfolge gefeiert, weshalb die wichtigsten Spiele der argentinischen Liga wahrscheinlich alle auf einen Sonntag gelegt werden, denn zu Geschäftszeiten die locker 15-spurige Straße (in jede Richtung) lahmzulegen, würde einen Verkehrskollaps (einen noch größeren als üblich) provozieren.

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geisterstadt

Montag, 12. Juni 2006
Samstag, 16:00 Uhr in Buenos Aires. An der sonst vielbefahrenen 5 spurigen Straße stehen gerade einmal ein Bus und ein Taxi an der Ampel. Der Blick schweift über geschlossene Ladenzeilen. Kein Mensch ist auf der Straße... Kein Wunder, beginnt doch in diesem Moment für Argentinien "der Ernst" des Turniers. Das erste Spiel gegen die Elfenbeinküste. Haben sich ja tapfer geschlagen. Wir haben (weil die Franzosen noch solange kochen mußten) mal wieder den Anpfiff verpasst aber dafür eine wunderbar kleine Fussball Kneipe voll Argentiniern gefunden.
Nachdem ich tags zuvor mit dem gesamten Büro die Eröffnunsfeier verfolgt habe, machte ich mich danach auf um das Eröffnungsspiel in "heimischer Umgebung", nämlich im Goethe-Institut, zu genießen. Es gab Schnittchen und Sekt und keinen Störenfried, der Costa Rica den Sieg gewünscht hätte. Ich hab natürlich meinen Chef gefragt, ob ich die Arbeit um halb eins verlassen kann und er hat nicht nur "Ja" sondern "Natürlich, hau ab!" gesagt. Allerdings hatten die Veranstalter im Goethe Institut den falschen der drei Kanäle ausgewählt, die den ganzen Tag von der WM berichten. Und so sahen wir 3 Minuten vor Anpfiff immernoch die Live-Übertragung aus Herzogenaurach, wo der argentinische Mannschaftsbus gerade das Hotel verließ...

Zu der Einstellung der Argentinier zum Fußball fällt mir noch eine Geschichte ein: Vor ein paar Wochen schon sprach ich mit zwei Argentiniern die mir stolz von ihrem Argentinien-Ticket-Abo erzählten und dass sie schon den Flug gebucht hätten. Ihre Fragen waren allerdings: "Wenn man in Deutschland im Freien schläft, wird man dann verhaftet?" und "Wenn man Deutsche nach Essen fragt, bekommt man dann was?" und später dann auch "Hast du Freunde in Hamburgo?"... Die Jungs planten verständlicherweise die Ausgaben in Deutschland auf einem Minimum zu halten... freitag abend haben wir uns mit nem Taxifahrer unterhalten, der meinte er mache gerade ein 24 stunden Schichte, um das Spiel dann Samstag in Ruhe sehen zu können.

Das Deutschlandspiel am Mittwoch werde ich wohl mit meinem Polnisch-stämmigen französischcen Mitbewohner gucken. Wir suchen noch nach einem neutralen "Austragungsort"...

und wer schon immer wissen wollte, wo genau Argentinien liegt, dieses Video gibt die Antwort (stream, download)

unterirdisch

Donnerstag, 8. Juni 2006
Jeden Morgen, wenn ich mich nach mühsamem aus-dem-Bett-quälen auf den Weg zur Arbeit mache, stehe ich am Bahnsteig und denke: "wie passen die alle da rein?". Klar, man hört Geschichten aus Tokio, wo Angestellte beschäftigt werden, die mit mehr oder weniger Gewalt dafür sorgen, dass alle die willens sind, die U-Bahn zu benutzen dies auch tun können. Aber in Buenos Aires? Die Fernseher am Bahnsteig zeigen zu den Hochzeiten des Pendlerverkehrs Werbefilme, dass man es sich und Allen einfacher machte, wenn man nur ein wenig früher oder später zur Arbeit fahren würde. Aber weil das nicht geht (ich machs ja auch nicht) entwickelt man halt seine Techniken. Ich, zum Beispiel, steige immer in den letzten Wagon ein. Dort kann man meistens noch einen Stehplatz mit Atemfreiheit finden (obwohl das für mich, ob meiner hierzulande überdurchschnittlichen Körpergröße, nicht das größte Problem ist). Das meistbenutzte Wort ist "permiso" was so viel bedeutet wie "darf ich mal" und wahlweise als Frage oder als vollendete Tatsache, dann in der Bedeutung "das muß sein", vorkommt.

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vivo - herzogenaurach

Donnerstag, 1. Juni 2006
Live aus Herzogenaurach- Soeben beendet die Argentinische "selección" ihr Training und überquert eine kleines Stück Straße zwischen Platz und Hotel umringt von 30 Fans und mehreren Kameras. Der Reporter redet Blödsinn und macht sich sehr offensichtlich (aber halt auf spanisch) über einen der Ordner lustig, zugegebenermaßen nicht gerade ein Vorzeigemodell. Im "Adidas-Stadion" von Herzogenaurach ist übrigens auch die Bandenwerbung angepasst. Für Quilmes wird geworben... quasi das Beck's unter den drei argentinischen Biersorten.
Nachdem beim Vorbereitungsspiel am Dienstag gegen Angola ca. 15 Leute die vollen 90 Minuten vor dem Fernseher verbrachten (immerhin beste Arbeitszeit von 16 - 18 Uhr) bin ich mal sehr gespannt wie das bei der WM weitergeht. Das erste Gruppenspiel ist (zur Freude der argentinischen Wirtschaft) an einem Samstag, so dass es wohl nicht zu Massen-Krankmeldungen kommen wird. Aber danach?!
Ich werd mich jedenfalls für die Spiele der Deutschen von hier entfernen um mit ein paar Gleichgesinnten das (erhoffte) Spektakel zu genießen...

Teutonia

Mittwoch, 31. Mai 2006
... ist keine Burschenschaft sondern ein Ort im Süden Brasiliens!

Letztes Wochenende besuchte ich Cristiana, meine brasilianische Freundin, die ich in den USA an meiner High School kennengelernt habe. Sie wohnt in Porto Alegre, einem Ort im südlichsten Staat Brasiliens. Es ist einer der wohlhabensten Staaten mit sehr vielen deutsch und italienisch-stämmigen Einwohnern. Die Vegetation ist sehr feucht und es ist eher kühler als im restlichen Brasilien (weshalb wohl auch die deutschen hier hingekommen sind).
Schon auf der Fahrt zum Flughafen, hier in Buenos Aires, hatte ich ein lustiges Erlebnis: er stellte sich heraus, das die Schwester des Taxifahrers (deren Grosseltern aus Deutschland auswanderten) in Bad Hersfeld wohnt, ein Ort in der Grösse Haans, in dem meine Oma wohnt und mein Vater geboren wurde! Als er erfuhr, dass ich nach Brasilien fliegen wollte, warnte er mich noch einmal eindringlich vor diesem gefährlichen Land!
In Porto Alegre angekommen, holte mich Cristiana vom Flughafen ab. Nach einem Cheeseburger, der mir als typisch brasilianisches Essen Essen, neben Reis mit Bohnen, vorgestellt wurde, verbrachten wir den Abend ruhig zu Hause, da Cristiana am nächsten Morgen arbeiten musste.

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köln einmal anders

Montag, 29. Mai 2006
Bis vor wenigen Monaten habe ich Uruguay in meinem Kopf in der selben Rubrik geführt wie zum Beispiel die Mongolei. Länder die einem so fern und unerforscht vorkommen, dass man sich noch nicht mal sicher ist auf welchem Kontinent sie sich befinden. Nun, Uruguay ist schon seit geraumer Zeit in Südamerika und wie der Zufall will auch ein Nachbarland von Argentinien und von Buenos Aires in knapp zwei Stunden mit dem Boot zu erreichen.
Da Touristenvisa nur drei Monate gültig sind, muß ich (und auch alle anderen nicht-Argentinier die ich hier kennengelernt habe) regelmäßig ins Ausland. Und was liegt da näher als Uruguay? Deshalb habe ich mich heute morgen nach 3 Stunden Schlaf aus dem Bett gequält um mit Claire (ohne Schlaf) Colonia zu bereisen. Aber nicht DAS Colonia, berühmt geworden durch den FC oder das Colonia-Duett. Auch nicht DIESES Colonia, das es in letzter Zeit zu eher zweifelhafter Berühmtheit gebracht hat. Nein, das von mir bereiste Colonia trägt den Beinamen "del Sacramento" und wurde gegründet, um Güter besser nach und von Buenos Aires schmuggeln zu können.

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der sechste tag

Freitag, 26. Mai 2006
nun da meine erste Woche "auffer Arbeit" rum ist, wirds Zeit für ein kleines Resümee. Nachdem ich das komplette Angebot von Spiegel-Online gelesen, viele eMails geschrieben, ordentlich gechattet und sogar damit begonnen habe, meinen Erasmus Bericht über Madrid zu schreiben, wurde mir heute endlich ein bischen konkreter mitgeteilt, was ich denn zu tun habe. Direkt danach gabs, anknüpfend an das "Arbeitsfrühstück" von letztem Freitag, eine kleine Team-Building Runde für uns 10 Mitarbeiter hier in "sistemas". Wahrscheinlich genau wie dieses Frühstück ausgedacht von frisch abgegangengen BWLern die viel geredet aber kaum Information vermittelt haben.
Ansonsten fühl ich mich hier sehr wohl in einem Büro wo sich alle mit Küsschen begrüßen (so sind sie, die Argentinier). Mittags zieht immer eine Delegation los um für alle Sandwichs zu kaufen und bei der Gelegenheit erzählten mir letztens drei Kollegen, daß sie selbst (selten aber immerhin) Bier brauen und ich das nächste Mal unbedingt probieren müßte. Sehr gerne.
Gestern war hier Nationalfeiertag (genauer: Tag des Vaterlandes) der von der Regierung zu einer gigantischen Propagandeveranstaltung genutzt wurde. Auf dem Hauptplatz gab es eine Ansprache des Präsidenten die groß angekündigt war ("heute wird Geschichte geschrieben", "unvergessliches Ereignis") aber kaum Inhalte vorweisen konnte. Wir (einige Deutsche aber nicht Johanna, die gerade eine alte Freundin (noch aus Amerika) in Brasilien besucht) haben uns unter die Fans gemischt (laut Zeitungsberichten 350 000 Personen, aber das hätte ich gemerkt) und diesem Spektakel beigewohnt.
Danach hab ich so viel Pizza gegessen, dass mir der Bauch wehtat und ich früh schlafengegangen bin. Da waren die Augen größer als der Mund? Der Mund größer als der Magen? Die Pizza billiger als in Deutschland? Eins davon wirds gewesen sein.

Barrios

Montag, 22. Mai 2006
Palermo, San Telmo, Once, Recoleta, La Boca... um mal einige der Viertel Buenos Aires' zu nennen. Palermo ist das netteste und trotzdem noch erschwingliche Wohnviertel mit viel Grün und vielen Bars, Clubs und Restaurants. In San Telmo, dem Antiquitäten- und Touristenviertel, mit schönen alten Häusern, direkt neben meiner Uni, haben wir am Anfang gewohnt. Once, Viertel mit einem schlechten Ruf, das aber dank eines riesigen Einkaufscenters einige sichere und bewohnbare Strassen hat, und mit dem wir uns besonders verbunden fühlen, da wir dort wohnen, genau gegenüber der Klimaanlage der besagten Shoppingmall (die Geschichte kennt ihr ja schon).
... Nun aber zu den Vierteln über die ich heute berichten möchte: Recoleta und La Boca, neben San Telmo die Touristenviertel. An den letzten Wochenenden haben wir endlich mal Zeit gefunden ein bisschen Seightseeing in BA zu betreiben. Zuerst waren wir in Recoleta, wo sich der weltbekannte Friedhof befindet in dem Evita begraben liegt (und alle argentinischen Präsidenten und übrige Nationalhelden). Sehr netter Friedhof; das besondere daran ist, das alle Särge in mittel bis sehr prunkvollen Familiengruften liegen. Man kann sogar bei einigen, zerfalleneren die Särge sehen. Ansonsten gibt es in Recoleta noch die bekannteste Sportlerkneipe der Stadt, ein komplett von Bildschirmen umgebener Raum, der sicher schon für die komplette Dauer der WM ausgebucht ist. Recoleta ist ein ziemliches Nobelviertel. Es wurde am am weitesten von La Boca entfernten Ende der Stadt von den Reichen errichtet, als La Boca und San Telmo von einer Gelbfieberepidemie heimgesucht wurden (würde dieses Ereignis mal so Ende des 19. Jh. einordnen).
La Boca ist dementsprechen das Gegenteil von Recoleta: Hafenviertel, in dem sich in den Anfangsjahren der Stadt die ganzen italienischen Einwanderer niedergelassen haben und das alle Touristen spätestens bei Anbruch der Dunkelheit verlassen haben sollten. Das berühmte an La Boca sind die buntgemalten Fassaden der kleinen Häuser am Hafen. Es ist in der Tat sehr hübsch, aber eben auch sehr touristisch, und die Sehenswürdigkeiten beschränken sich auf genau eine Strasse! Was aber im Zusammenhang mit La Boca noch erwähnt werden muss ist die Fussballmannschaft Boca, die auch gerade wieder die argentinische Meisterschaft für sich sichern konnte, und nach Sommer- auch Herbstmeister wurde!