
Im Nordosten Patagoniens liegt eine Halbinsel, Peninsula Valdez, die so ziemlich alles an Meeressäugern aufweist was man sich vorstellen kann: Wale (Buckelwale), Seelöwen, Seeelefanten, Delfine und Orkas (die ja strenggenommen auch Delfine sind). Ein bisschen weiter südlich gibt es auch noch die größte Pinguinbrutstätte (Magellanpinguine) Lateinamerikas, Punto Tomba. Anscheinend eignet sich diese Gegend aufgrund einer warmen Meeresströmung besonders gut zum Babykriegen. Die Tiere kommen allerdings alle zu unterschiedlichen Zeiten vorbei, im September kann man aber schon alles außer Orkas sehen.

Naja, jedenfalls sind wir Donnerstag Mittag mit Tim und Volker, mit unserer Lieblingsbusgesellschaft Via Bariloche, natürlich Coche Cama, nach Puerto Madryn aufgebrochen und Freitag Vormittag nach einer

20stündigen Busfahrt dort angekommen. Der Ort liegt direkt im Süden der Halbinsel und man kann vom Strand aus schon Wale beobachten. Außerdem gibt es einen Bootssteg, um den bei Hochwasser die Wale herumtauchen. Unsere Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht, in der Bucht wimmelte es geradezu von Walen (wenn man bedenkt, dass es nur noch 3000 Stück gibt)! Einer lieferte uns eine ganz besondere Show und sprang gleich einige Male hintereinander aus dem Wasser, um sich hinterher mit seinem Riesenkoerper geräusch- und eindruckvoll wieder ins Wasser fallen zu lassen. Den Sonnenuntergang verbrachten wir auf dem Steg und wurden auch hier nicht entäuscht, denn zwei Wale planschten direkt neben dem Steg herum und einer tauchte direkt vor unseren Füßen entlang.

Am nächsten Morgen gings früh mit unserem Mietwagen los zur Peninsula. Vor dem Whalewatching-Ausflug mit einem Boot, wollten wir noch zu einem Strand an den die Wale besonders nah herankommen. Das Wetter wurde im Laufe des Morgens leider immer schlechter, so dass

gerade als wir unser Boot betraten ein leichter Nieselregen losging. Unser Boot, das wir in der Autovermittlung gebucht hatten, ließ auch kurz Zweifel aufkommen, es war nämlich bei weitem das größte das auslief , wovor der Lonely Planet ausdrücklich abrät… Nichtsdestotrotz war es eine super Tour, wir sahen wieder einige Wale, meistens eine Mutter und ein Baby zusammen, außerdem einen weißen Wal (irgendeine Genmanipulation), und ein Babywal sprang sogar direkt neben unserem Boot!

Nach der Waltour ging es weiter zu den Seeelefanten, an einen Strand. Seeelefanten leben in Harems: ein Männchen mit 5-8 Weibchen und deren Babys. Ein Seeelefantenmann wird bis zu 4 Tonnen schwer. Solch einen Haarem fanden wir auch direkt vor und wurden Zeuge einer Unterhaltung der besonderen Art… waehrend das Männchen ähnlich wie ein Löwe brüllte um Nebenbuhler zu verschrecken, fing ein Baby an wie ein Lämmchen zu blöken, also schaltete sich die Mutter ein, die bei weitem die interessanteste Stimme hat…es klang wie ein lautes minutenlanges Röpsen… Nach unserer Begegnung mit den Seeelefanten machten wir uns dann wieder auf den Nachhauseweg.
Sonntagmorgen ging es wieder früh los, wir wollten am „Tonina Adventure“ teilnehmen, eine Bootstour auf der man schwarz-weiße Delfine (Toninas) sieht. Dank Tims Rennfahrerveranlagung schafften wir es auch noch gerade zu der einzigen Tour die am Tag angeboten wird. Mit Rettungswesten versorgt ging es los und die Delfine ließen auch nicht lange auf sich warten. Als ob sie uns eine Show bieten wöllten, tauchten sie neben dem Boot auf und unter, sprangen hoch, zu zweit und allein und lieferten sich Rennen mit dem Boot, die sie locker gewannen.

Nach dem „Tonina Adventure“ ging es weiter zum Punto Tomba, etwa 180 km südlich von Puerto Madryn. Wer den „Marsch der Pinguine“ gesehen hat kennt das genau aufeinander abgestimmte Verhalten der Pinguine: Im September/Oktober kommen die Männchen an Land und bereiten Brutstätten vor, dabei wandern sie bis zu 1,5 km landeinwärts. Danach kommen die Weibchen und suchen sich ihre Männchen (sie bleiben ein Leben lang zusammen). Dann kommt die Begattung und dann wird gebrütet, abwechselnd, damit der eine Partner immer mal zurück ins Meer kann um seine Energiereserven aufzustocken.

Die Fütterung und Aufzucht der Jungen erfolgt auch abwechselnd. Ja, und irgendwann im Herbst (also März oder so) verschwinden dann wieder alle ins Meer um den Winter vor der Küste Brasiliens zu verbringen. Wer diese Erklärung nun genau gelesen hat weiß also, dass wir vor allem Zeuge des Anlandkommens und Losmarschierens der Pinguinmännchen wurden, war wirklich faszinierend. Einige lagen sogar schon in ihren Nestern herum. Das einzige was uns ein wenig störte, war dass sich der Parkplatz inmitten von Brutplätzen befand, immer wieder kreuzten Pinguine die Straße und einige lagen in ihren Nestern auf Höhe der Auspuffrohre, direkt an der Straße… soviel zum Umweltbewusstsein der Argentinier…

Auf dem Rückweg gings an einem Seelöwenstrand vorbei und danach wurden wir noch Zeuge eines unglaublichen Naturschauspiels: während des Sonnenuntergangs ging ein Regenbogen auf und wurde langsam vom Erdschatten verschlungen!