Uruguay

Wer immer mal in den Blog schaut wird sich sicher schon über unsere ausbleibenden Einträge gewundert haben. Das ist nicht darauf zurückzuführen, dass wir nichts erlebt haben, sondern dass wir so viel erlebt haben. Deswegen fang ich jetzt einfach mal an die ausstehenden Berichte nachzuliefern...
Das übernächste Wochenende nach Brasilien verbrachten wir in Uruguay. Geplant war eine dreitäge "Rundfahrt" durch das Land im Mietwagen und am letzten Tag Besichtigung der Hauptstadt Montevideo. Verabredet waren wir mit den beiden Deutschen, die wir aus Brasilien kannten, und die uns unter dem Vorwand in Uruguay wäre langes Wochenende aus unserer Wochenendplanung rissen (es stellte sich nachher raus, das in Uruguay gar keins war, aber dafür eins in Argentinien...).
Also Freitag früh aufs Boot nach Colonia, dort ein bischen Stadt-gucken während auf-die-andern-warten, die uns dann mit unserem neuen Wegbegleiter auflasen (wer gerne mehr über Colonia hören möchte kann sich einfach Bas "Köln einmal anders" Artikel anschauen). Danach begann die Fahrt ins Grüne. Wir hatten uns als Ziel gesetzt die "Rabenschlucht" (in Johannas zahlreichen Schilderungen unserer Reise zur "Drachenschlucht" befördert) am folgenden Tag zu besichtigen und irgendwo auf dem Weg dorthin die Nacht zu verbringen.
Uruguay ist halb so groß wie Deutschland, aber beherbergt nur ungefähr so viele Einwohner wie Berlin (aber bestimmt so viele Kühe wie Deutschland Einwohner hat). Ein Umstand, der das Finden von Unterkünften (oder auch nur Städten) auf die (touristischen) Küstenregionen beschränkt. Das wußten wir aber noch nicht, als wir an jenem Freitag Richtung Landesinnere aufbrachen. Der Himmel war wolkenverhangen und regnerisch. Wir passierten Mautstation um Mautstation, aber dann.... ... fanden wir eine dieser Maut-Eintreibe-Stellen verschlossen. Die Autobahn blockiert. Unsere Weiterfahrt behindert. Kein Schild. Kein Hinweis. Nur Fußgänger, die die Autobahn entlangspazieren. Schließlich fanden wir einen Polizisten, der uns erklären konnte, was die Straße unpassierbar machte: ein Fluss war über die Ufer getreten. Uns wurde eine Ausweichroute gezeigt, die sich als ein gigantischer Umweg über unbefestigte Straßen erwies. Nachdem man uns irgendwann an einer Tankstelle im Landesinneren darauf hingewiesen hatte, dass wir eine Unterkunft wohl nur an der Küste finden würden, fuhren wir Abends einen kleinen Badeort an und kamen dort in einem leeren, aber mit Pools ausgestatteten, Hotel unter. Der Rabenschlucht haben wir uns an diesem ersten Tag höchstens 70 km genähert (in 4 Stunden...). So hatten wir aber mehr Zeit uns dem Hörspiel "Momo" zu widmen! Janne und Bernhard waren nämlich mit dem Wissen, dass das Auto keinen CD-Player haben würde, ins Goethe-Institut in Montevideo gegagen und hatten sich mit Kinderkassetten eingedeckt (ausser "Momo" waren jedoch leider nur deutsche Kinderlieder, von Männerchören gesungen, darunter, aber dafür kenne ich jetzt alle drei Strophen von "Alle meine Entchen"...).
Tags darauf also weiter zur Rabenschlucht (die übrigens so heißt, weil in der Dämmerung Tausende von Raben über ihr ihre Kreise ziehen... schon ganz gut, dass sie nicht Drachenschlucht heißt...). Am Parkplatz angekommen hatte der Nebel unsere Sicht auf höchstens 20 Meter beschränkt und fernes Grollen zeugte von noch schlechterem Wetter im Anmarsch. Wir ließen uns nicht beeindrucken und wanderten in die vorgegebene Richtung... wir haben allerdings keine Schlucht oder ähnliches gefunden und sind dann, als das Gewitter einen ersten Platzregen schickte, wieder zum Auto geflüchtet, ohne auch nur etwas Schluchtähnliches erblickt zu haben... Kann man nichts machen!
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir dann mit der Fahrt an die Küste, wo wir uns eine neue Herberge suchen wollten. Es war auch schon dunkel, nachdem wir einige kleine und ländliche Kolonialstildörfer passiert hatten und unser Ziel in greifbarer Nähe lag, Momo spürte gerade wie eine eisige Kälte ihren Körper umhüllte... da rief Bas auf einmal: "Wasser!"... und da war tatsächlich Wasser, und nicht etwa nur in dem Fluss neben uns sondern direkt vor uns! Die Strasse war komplett überflutet. Nach einer Vollbremsung und einem Fotoshooting (sowas sieht man schliesslich nicht alle Tage), drehten wir den Wagen. Aus dem am Rand geparkten Lieferwagen stieg dann auf einmal ein Arbeiter und teilte uns mit, dass die Strasse überschwemmt sei und wir hier nicht langfahren könnten... immer hilfreich diese Uruquayos...
Die Nacht verbrachten wir dann in La Paloma an der Küste, in einem reetgedeckten Hotel, und am nächsten Morgen erwartete uns eine besondere Überraschung: die Sonne schien. Also gings natürlich los zum Strand, an den Punta Polonia. Wir mussten unseren Wagen 3 km vom entfernt Strand stehen lassen und uns mit einem 4-Wheel-Drive durch die Dünenlandschaft in das kleine Hippiedorf am Strand bringen lassen. Neben richtigen Hippies, Kühen und Enten gibts dort vor allem auch eine Seelöwenkolonie (die man, wenn man seiner Nase folgt, auch nicht verfehlen kann) und einen lebendigen Pinguin haben wir auch gesehen! Bas erfuhr am eigenen Leib woher See-LÖWEN ihren Namen haben und riss sich auf der Flucht vor einem (Baby) die Hose kaputt... Nach der Besteigung des Leuchtturms und einem Picknick am Strand gings dann wieder zurück, da wir auf dem Rückweg noch an dem mit 514 m höchstem Berg Uruguays vorbeifahren wollten. Aufgrund eines Motorschadens am 4-Wheel-Drive und der sich hinziehenden Suche nach dem richtigen Weg in unserem Mietwagen, war es allerdings schon dunkel als wir dort ankamen und so fuhren wir direkt nach Montevideo durch.

Montags schauten wir uns noch Montevideo an, allerdings machte uns der Nebel wieder einen Strich durch die Rechnung und so konnten wir von den sicher sehr schönen Häuser nur den unteren Teil sehen und die berühmte Ramblas (Name der Strandpromenade) zeigte sich uns auch nicht in ihrer vollen Schönheit, da eine Strandpromenade von der aus man kein Meer sehen kann halt irgendwie mehr ein Bürgersteig ist... Nach einem Abschiedsessen im schönen Hafen, gings dann wieder mit nem Bus von Buquebus nach Colonia und dann mit nem Buquebus (=Boot) über den milchkaffeefarbenen Rio de la Plata nach Hause.

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Kommentare

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  1. bas schreibt:

    das war kein baby-seelöwe... der war sowasvon ausgewachsen...


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