afrikamerikanisch

Anderthalb Flugstunden Richtung Norden, und damit Richtung Waerme (so ist das hier im Sueden), liegt Salvador. In manchen Fuehrern als wildeste Stadt Brasiliens beschrieben, ist die erste Hauptstadt des Landes das Zentrum afrikanischer Kultur und Lebensweise ausserhalb von Afrika. Viele ehemalige Sklaven zog es dorthin, wahrscheinlich wegen des tropischen Klimas. Dieses tropische Klima zeigte sich uns am Ende der Regenzeit nochmal in all seinen Facetten. Die Standardbekleidung in der Stadt waren kurze Sachen, Flipflops und ein Regenschirm. Waehrend unseren drei Tagen in der schoenen Altstadt (der Ort wo das Leben tobt und wo Touristen sich auch nachts noch relativ sicher bewegen koennen) wurden wir von schaetzungsweise 126 Menschen gefragt, ob wir nicht eine Kette, ein Armband oder ein Laecheln gegen Geld tauschen moechten. Wir haben meistens abgelehnt.
Zeitgleich mit uns befanden sich auch Delegationen aus vielen Afrikanischen Staaten zu einer Konferenz (oder einer Party?) in der Stadt, so dass zwei Plaetze mit Buehnen und vielen Informationsstaenden ausgestattet und die Abende mit Konzerten gefuellt waren. Aber auch sonst haetten wir wohl nicht ruhig schlafen koennen. Da unsere Zimmerfenster zu einem belebten Platz hin offenstanden, wurden wir regelmaessig in den Schlaf getrommelt.
Kulturell (also was man so unter kulturell versteht) haben wir nicht so viel geleistet, bis auf ein halbes Duzent Kirchen, die jedoch fast alle von aussen und von innen sehr aehnlich (kolonialistisch huebsch) daherkamen. Ausnahme war eine Kirche die von schwarzen Sklaven zwangserrichtet wurde (damit sie unserem schoenen Christentum froenen konnten) und deren Engel und Heiligenfiguren verstoerte Gesichter und schwangere Baeuche hatten.

Nach den drei Tagen ohne Ruhe beschlossen wir weiterzuziehen auf eine Insel mit wundervollen Straenden. Die auf zwei Stunden angesetzte Ueberfahrt wies mich, obwohl ich immer dachte mir koennte keine Achterbahn etwas anhaben, in meine Grenzen und so verbrachte ich die meiste Zeit damit Johanna nachzuahmen, die professionell (die gesamten zwei Stunden lang) den Horizont fixierte. Die Brech-Quote auf unserem Schiff lag bei 4 von 11 (Berichte vom Tag zuvor sprechen von Ueberfahrten mit 90 prozentiger Quote). Hervorzuheben sind die Basken: Bei Abfahrt noch auf Deck stehend, verbrachte einer von ihnen den Grossteil der Fahrt flach auf dem (entleerten) Bauch liegend, von den Wellen und dem Fruehstueck seines Freundes umspuelt...
Doch richtig in Lebensgefahr begaben wir uns offensichtlich erst mit Erreichen des festen Bodens. Waehrend einer tropischen Strandparty, umringt von Verkaeufern tropischer Cocktails schlug eine Kokosnuss neben mir in den Sand ein... ach ja, die Kokosnuss, dieses gemeingefaehrliche Dingen... wenn ihr Saft doch nicht so lecker waere...

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